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Vitamin D: Wieviel ist richtig?

Das Vitamin D ist ein Vitamin, über welches immer wieder diskutiert wird. Wann und wieviel, und vor allem beim wem ist der Einsatz eines Vitamin D-Präparates sinnvoll. Hierzu möchten wir Ihnen einige Informationen zur Verfügung stellen.

Prinzipiell ist der menschliche Organismus in der Lage, seinen gesamten Vitamin-D-Bedarf selber zu produzieren. Deshalb gilt die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland als weitgehend gesichert, obwohl die empfohlene Zufuhr über die Nahrung im Durchschnitt deutlich unterhalb der Empfehlungen liegt.

Hier einige ausgewählte Lebensmittel mit einem entsprechenden Vitamin D Gehalt:

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Üblicherweise geht man bislang davon aus, dass die Vitamin-D-Versorgung bei den meisten Bevölkerungsgruppen durch eine Kombination aus alimentärer Zufuhr und Eigensynthese sichergestellt ist.

Um Vitamin-D-Mangelerscheinungen zu vermeiden, genügt demnach ein täglicher Aufenthalt im Freien von 15 – 30 Minuten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in Deutschland die für die Vitamin-D-Synthese notwendige UV-B-Strahlung zwischen Oktober und April sehr gering ist.

Schwierigkeiten ergeben sich somit in den Wintermonaten und bei bestimmten Risikogruppen. Hierzu gehören ältere und hospitalisierte Menschen mit geringer UV-Exposition, Säuglinge und Kleinkinder sowie Personen mit dunkler Hautfarbe.

Zu den Risikogruppen zählen auch Menschen, die an chronischen Magen-Darm, Leber- oder Nierenerkrankungen leiden oder Medikamente einnehmen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen (z.B. Antiepileptika oder Zytostatika).

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Klassische Vitamin-D-Mangelerscheinungen wie Rachitis und Osteomalazie spielen heute nur noch eine geringe Rolle.

Im Hinblick auf die präventiven Wirkungen des Vitamins scheint eine höhere Zufuhr wünschenswert. Bislang galten Plasmaspiegel des Vitamin-D-Metaboliten 25(OH)D3 im Bereich von ca. 10 bis 40 nmol/l als Indikator einer adäquaten Versorgung; diese sind mit den bisherigen Zufuhrempfehlungen in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung gut zu erreichen.

Inzwischen mehren sich jedoch Stimmen, dass dies unter präventiven Gesichtspunkten zu niedrig bemessen ist. Danach sollen die Plasmaspiegel an 25(OH)D3 mindestens 70 nmol/l betragen. Vor allem in der sonnenarmen Jahreszeit ist dann eine Vitamin-D-Zufuhr notwendig. Entsprechend gibt es Empfehlungen, täglich mindestens 25 μg/d des Vitamins aufzunehmen.

Kernaussagen einiger Studiendaten (individuell zu beurteilen)

  • Hemmung von Entzündungen
  • Verbesserung der Regulierung des Blutzuckerspiegels
  • Schwangerschaft und Verhaltensauffälligkeit Kinder
  • Körperliche Leistungsfähigkeit bei Kindern
  • Verbesserte Funktion des Gehirns in Verbindung mit anderen Wirkstoffen¹⁹
  • Verbesserte Lebensqualität bei Asthma und andere Lungenerkrankungen²⁰ 
  • Schützende Wirkung bei Leberschäden²¹
  • Schutz vor Haut-Zellalterung²²
  • Reduzierung von Entstehung wie auch Schweregrad und Verlauf von rheumatoider Arthritis²³

Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine deutlich höhere Zufuhr an Vitamin D stellt sich die Frage, ob dies unter toxikologischen Aspekten uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Unumstritten ist, dass eine Zufuhr von bis zu 50 μg/d beim gesunden Erwachsenen als dauerhaft unbedenklich angesehen werden kann. Dieser Wert wurde vom europäischen Scientific Committee on Foods als oberes Limit einer tolerierbaren Aufnahme festgelegt.

Neben einem Mangel kann es ebenfalls zu einer Überdosierung mit Vitamin D kommen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Vitamin D als fettlösliches Vitamin im Fett- und Muskelgewebe gespeichert werden kann.
Durch übermäßig hohe Einnahmen von Supplementen (Nahrungsergänzungsmitteln), hochdosierten Medikamenten, einem hohen Konsum an angereicherten Lebensmitteln (oder einer Kombination der Varianten) ist eine kritische Überdosierung möglich.

Es kann zu erhöhten Kalziumspiegeln (Hyperkalzämie) kommen, die akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigungen und  Herzrhythmusstörungen führen können.
Da Vitamin D im Körper gespeichert werden kann, ist neben einer akuten auch eine schleichende Überdosierung möglich.

Vitamin D und COVID

Verschärft wurde die Diskussion zur Vitamin D Versorgung zuletzt durch die Corona Pandemie und die Assoziation eines schwereren Verlaufs von COVID-19 mit niedrigeren Vitamin D-Spiegeln, welche die Rufe nach Vitamin D-Substitution immer lauter werden ließen.

Wie schon zu Atemwegsinfekten allgemein, gibt es mittlerweile auch zu COVID-19 zahlreiche Assoziationsstudien, die auf einen negativen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin D-Spiegeln und einer schwereren Verlaufsform von COVID-19 hinweisen (Pereira et al., 2020).

Sicher ist auch, dass bei inkonsistenter Datenlage nicht genügend Evidenz vorliegt um eine Vitamin D-Therapie alleine zur COVID19-Infektionsprophylaxe oder -therapie zu indizieren.

Literatur
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie zur Rolle von Vitamin D in der Corona-Pandemie 11.02.2021

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D. Stand 25.1.2019

DAZ online „Neue Erkenntnisse zu Vitamin D“

Eigenmächtige Vitamin-D-Einnahme höchstens in kleiner Dosis

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor den gesundheitlichen Risiken einer eigen­ständigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten gewarnt. „Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztli­cher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin-D-Status erfolgen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Instituts.

Wer eigenmächtig Vitamin D einnehmen wolle, solle nur auf Präparate mit einer Tagesdosis von bis zu 20 Mikrogramm (800 Internationale Einheiten) zurückgreifen. „Bei dieser Menge sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten.“

Bei einer – nicht medizinisch begründeten – regelmäßigen täglichen Aufnahme von Vitamin D über hoch­dosierte Präparate steigt dem BfR zufolge das Risiko für Gesundheitsschäden wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung. Es gebe auch Fälle von akutem Nierenversagen in Folge einer un­kontrollierten Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in Eigenregie.

Im Internet machen schon seit längerem Empfehlungen für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Runde, aktuell auch begründet mit Hinweisen, eine Infektion mit dem Coronavirus oder ein schwerer Ver­lauf einer COVID-19-Erkrankung könnten damit verhindert werden.

Es gebe zwar Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin-D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht, hieß es nun vom BfR. Bei COVID-19 sei die Datenlage dazu aber aktuell noch unsicher. Insbesondere habe bisher nicht gezeigt werden können, dass gut mit Vitamin D versorgte Menschen von einer zusätzlichen Vitamin-D-Gabe profitieren.

„Eine generelle Empfehlung zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zur Vorbeugung einer SARS-CoV-2-Infektion oder eines schweren Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung ist daher derzeit nicht begründbar.“

Eine gute Vitamin-D-Versorgung könne man am besten durch die Eigensynthese der Haut erreichen, riet das Institut. „Körperliche Bewegung und Aktivität im Freien stärken außerdem Muskeln und Knochen.“ Darüber hinaus sei zu empfehlen, ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Hering oder Lachs zu essen.

Eine generelle Vitamin-D-Einnahme von bis zu 20 Mikrogramm pro Tag ist aus Sicht des BfR lediglich für Pflegeheimbewohner zu erwägen. „Denn Vitamin D wird unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Viele ältere Menschen bewegen sich jedoch kaum im Freien.“ Zudem nehme die Vitamin-D-Bil­dung im Alter deutlich ab.

Zu den Risikogruppen für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung gehören demnach auch Menschen, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten oder – aus kulturellen oder religiösen Gründen – stets nur mit gänzlich bedecktem Körper nach draußen gehen.

Bedingt durch die geografische Lage ist die Vitamin-D-Bildung im Freien in Mitteleuropa laut Robert-Koch-Institut (RKI) nur im Sommerhalbjahr (März bis Oktober) möglich. Der Körper sei aber in der Lage, Vitamin-D-Reserven im Fett- und Muskelgewebe anzulegen. Diese Speicherfähigkeit bedingt zugleich die Gefahren, die mit einer unbedachten Einnahme von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln einhergehen.

Allgemein sei eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig für die Immun­funktion des Menschen, hieß es vom BfR. „In Zeiten erhöhter Aktivität von viralen Erkältungs- und Atem­wegserkrankungen ist daher eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel vitamin- und mineralstoff­rei­chem Obst und Gemüse besonders wichtig.“ Eine zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzungs­mittel sei hierzulande in der Regel nicht nötig.

Literatur
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie zur Rolle von Vitamin D in der Corona-Pandemie. 11.02.2021



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