Blaue oder bläulich-rötliche Finger und Zehen können viele Ursachen haben. Häufig steckt eine sogenannte Akrozyanose dahinter. Dabei handelt es sich um eine Regulationsstörung der kleinsten Blutgefäße, die insbesondere Hände und Füße betrifft.
Meist ist eine Akrozyanose harmlos. Sie kann jedoch auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten. Deshalb sollte insbesondere bei neu auftretenden oder ausgeprägten Beschwerden die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Typische Symptome einer Akrozyanose
Charakteristisch ist eine anhaltende, meist beidseitige und symmetrische blau-rötliche Verfärbung der Finger oder Zehen.
Häufig kommen hinzu:
- kalte Hände oder Füße
- verstärkte Beschwerden bei Kälte oder Nässe
- Besserung durch Wärme
- vermehrtes Schwitzen an Händen oder Füßen
- gelegentlich ein Spannungs- oder Druckgefühl
Im Gegensatz zum Raynaud-Phänomen tritt die Verfärbung bei der Akrozyanose typischerweise nicht nur in kurzen Anfällen auf. Beim Raynaud-Phänomen können die Finger dagegen zunächst weiß, anschließend blau und nach Erwärmung rot werden.
Welche Ursachen kann eine Akrozyanose haben?
Bei vielen Betroffenen lässt sich keine zugrunde liegende Erkrankung feststellen. Man spricht dann von einer primären oder idiopathischen Akrozyanose.
Daneben gibt es sogenannte sekundäre Formen, die beispielsweise im Zusammenhang mit
- rheumatischen bzw. autoimmunen Erkrankungen,
- Erkrankungen des Blutes,
- Herz- und Lungenerkrankungen,
- Polyglobulie,
- Essstörungen,
- neurologischen Erkrankungen oder
- bestimmten Medikamenten
auftreten können.
Eine einseitige Verfärbung sollte besonders sorgfältig untersucht werden, da hier auch andere Ursachen infrage kommen.
Wie wird eine Akrozyanose diagnostiziert?
Am Anfang steht eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Entscheidend ist unter anderem, ob beide Seiten betroffen sind, wann die Beschwerden auftreten und ob weitere Symptome bestehen.
Je nach Befund können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein. Dazu gehört beispielsweise die Kapillarmikroskopie der Nagelfalz, bei der die kleinsten Blutgefäße am Nagelbett beurteilt werden. Auch Blutuntersuchungen können sinnvoll sein, um mögliche rheumatische, hämatologische oder andere Grunderkrankungen zu erkennen.
Wie wird eine Akrozyanose behandelt?
Eine spezielle medikamentöse Standardtherapie gibt es nicht. Im Vordergrund steht deshalb zunächst der Schutz vor Kälte und Nässe.
Warme Handschuhe, geeignetes Schuhwerk und gegebenenfalls beheizbare Handschuhe oder Schuheinlagen können die Beschwerden reduzieren. Bei einer sekundären Akrozyanose steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung im Mittelpunkt. Häufig bessert sich dadurch auch die Akrozyanose.
Wann sollte man blaue Finger ärztlich untersuchen lassen?
Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn die Beschwerden neu auftreten, deutlich zunehmen oder nur einseitig bestehen. Auch Schmerzen, Hautveränderungen, Wunden oder weitere körperliche Beschwerden sollten ärztlich beurteilt werden.
Blaue Finger sind nicht immer harmlos
Eine Akrozyanose ist häufig gutartig. Dennoch ist es wichtig, zwischen einer unkomplizierten Akrozyanose, einem Raynaud-Phänomen und anderen Gefäß- oder Grunderkrankungen zu unterscheiden.
In unserer internistischen Praxis können wir blaue oder kalte Hände und Füße umfassend untersuchen und die Ursache gezielt abklären.